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Deutsche Bank bricht ihr Versprechen: Spekulation auf Kosten der Ärmsten geht weiter trotz Belegen für preistreibende Wirkung

Die Deutsche Bank macht sich wissentlich mitschuldig an Hungerkrisen in den ärmsten Ländern der Welt. Obwohl Deutschlands größtes Bankhaus anerkannt hat, dass die Spekulation mit Nahrungsmitteln zu höheren Preisen führen kann, will sie an entsprechenden Finanzinstrumenten festhalten, wie das Geldhaus an diesem Wochenende erklärte.





"Jetzt wird offensichtlich, was das Duo Jain/Fitschen mit dem angekündigten Kulturwandel gemeint hat - nämlich rücksichtslose Geschäftsgebahren auf Kosten der Allgemeinheit", kritisierte Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch.

Auf der Grünen Woche in Berlin hatte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen gestern angekündigt, weiterhin hochspekulative Finanzinstrumente auf Basis von Agrarrohstoffen anbieten zu wollen. In einer offiziellen Mitteilung begründete die Deutsche Bank diesen Schritt damit, "dass es kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung gibt, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich".

Dass es "kaum" Belege gibt, bedeutet jedoch nichts weniger als: Es gibt sehr wohl Belege, die auch die Deutsche Bank anerkennt. foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode: "Wie viele Belege will die Deutsche Bank haben, bis sie endlich handelt? Hochspekulative Finanzprodukte können zu großen Preisschwankungen und Preisspitzen führen, die Nahrungsmittel für Menschen in den ärmsten Ländern der Welt unbezahlbar machen. Dafür gibt es ausreichend wissenschaftliche Nachweise, die durch Erkenntnisse aus der Praxis gedeckt sind. Verantwortlich handeln hieße für die Deutsche Bank, sich vorsorglich aus der Spekulation mit Agrarrohstoffen zu verabschieden. Ohne den Beweis für die Unschädlichkeit ihrer Finanzanlagen einfach weiter zu machen, das ist unverantwortlich."

Andere Banken, darunter die DekaBank der Sparkassen, die LBBW, die Landesbank Berlin und die Commerzbank, hatten sich unter Verweis auf das Vorsorgeprinzip aus der Agrarspekulation zurückgezogen. "Vorsorglich handeln ist das Gebot der Stunde, das haben andere Banken vorgemacht. Wer an der Spekulation mit Agrarrohstoffen festhalten will, sollte schon die Unschädlichkeit beweisen können, nicht umgekehrt", so Bode.

foodwatch hatte im Herbst 2011 den Report "Die Hungermacher - Wie Deutsche Bank, Goldman Sachs & Co. auf Kosten der Ärmsten mit Lebensmitteln spekulieren" vorgelegt und unter dem Motto "Hände weg vom Acker, Mann" zum Protest gegen Agrarspekulation aufgerufen. Der damalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sagte daraufhin eine detaillierte Prüfung der Vorwürfe Bis zum Januar 2012 zu. Im Januar 2012 schließlich kündigte die Deutsche Bank gegenüber foodwatch an, zunächst eine "umfassende Studie zum Thema Handel mit Agrarrohstoffen und Hunger" erarbeiten zu wollen und deren Ergebnisse mit Organisationen wie foodwatch zu diskutieren. Ein Versprechen, das offenbar gebrochen wurde: Anstelle einer "umfassenden Studie" hat die Deutsche Bank nun lediglich einen kurzen Frage- und Antwort-Text auf ihrer Internetseite publiziert, eine Einladung zur Diskussion von Studienergebnissen ist ebensowenig erfolgt.



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